Transferrinsättigung (TfS): Berechnung, Referenzbereiche und klinische Bedeutung
Was wird gemessen?
Die Transferrinsättigung (TfS) ist ein rechnerischer Parameter, der angibt, wie viel Prozent der Eisenbindungsstellen des Transportproteins Transferrin im Blutplasma aktuell mit Eisenionen besetzt sind. Sie errechnet sich aus dem Serumeisen und dem Transferringehalt (Formel: Serumeisen in µmol/l / [Transferrin in g/l × 25,1] × 100 %).
Klinischer Zweck & Aussagekraft
Während Ferritin die statischen Gewebespeicher erfasst, bildet die Transferrinsättigung das dynamisch zirkulierende Transporteisen ab, das den teilungsaktiven Zellen des Knochenmarks für die Blutbildung unmittelbar zur Verfügung steht. Sie ist unverzichtbar bei der Differenzierung zwischen absolutem und funktionellem Eisenmangel.
Referenz- & Entscheidungsbereiche
* Hinweis: Referenzbereiche können laborspezifisch je nach Testmethode leicht abweichen. Die Interpretation gehört immer in den klinischen Kontext.
| Gruppe / Kategorie | Messbereich | Anmerkung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Physiologischer Normbereich (Erwachsene) | 16 – 45 % (in den meisten Leitlinien Zielwert > 20 %) | Werte unter 20 % weisen auf eine unzureichende Eiseneisenversorgung des Knochenmarks hin. | AWMF S3-Leitlinie Eisenmangelanämie / DGHO |
| Absoluter oder funktioneller Eisenmangel | < 16 – 20 % | Spricht für eine verminderte Verfügbarkeit von Eisen für die Erythropoese. | DGHO Leitlinie / KDIGO |
| Verdacht auf Hämochromatose (Eisenüberladung) | > 45 – 50 % (wiederholt nüchtern) | Erfordert weiterführende genetische Abklärung des HFE-Gens. | EASL Guidelines on Haemochromatosis |
Grenzen des Parameters
- •Da das freie Serumeisen im Zähler der Berechnungsformel steht, unterliegt die Transferrinsättigung denselben ausgeprägten zirkadianen Schwankungen und sollte morgens nüchtern bestimmt werden.
- •Östrogene (orale Kontrazeptiva, Schwangerschaft) steigern die hepatische Transferrinsynthese, was die TfS bei unverändertem Serumeisen rechnerisch senken kann.
Wichtige Einflussfaktoren & Störgrößen
Folgende physiologische und pathologische Faktoren können den Messwert beeinflussen:
Sinnvolle Kombination mit weiteren Markern
Wann ist eine ärztliche Rücksprache ratsam?
- •Transferrinsättigung unter 20 % bei bestehenden Erschöpfungssymptomen.
- •Wiederholte Werte über 45 % zum Ausschluss einer erblichen Hämochromatose.
- •Bei chronischen Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz, chronische Nierenerkrankung) zur Festlegung einer gezielten Eisentherapie.