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EvidenzgeprüftStand: 03. Oktober 2026Medizinische Redaktion

Transferrinsättigung (TfS): Berechnung, Referenzbereiche und klinische Bedeutung

Was wird gemessen?

Die Transferrinsättigung (TfS) ist ein rechnerischer Parameter, der angibt, wie viel Prozent der Eisenbindungsstellen des Transportproteins Transferrin im Blutplasma aktuell mit Eisenionen besetzt sind. Sie errechnet sich aus dem Serumeisen und dem Transferringehalt (Formel: Serumeisen in µmol/l / [Transferrin in g/l × 25,1] × 100 %).

Klinischer Zweck & Aussagekraft

Während Ferritin die statischen Gewebespeicher erfasst, bildet die Transferrinsättigung das dynamisch zirkulierende Transporteisen ab, das den teilungsaktiven Zellen des Knochenmarks für die Blutbildung unmittelbar zur Verfügung steht. Sie ist unverzichtbar bei der Differenzierung zwischen absolutem und funktionellem Eisenmangel.

Referenz- & Entscheidungsbereiche

* Hinweis: Referenzbereiche können laborspezifisch je nach Testmethode leicht abweichen. Die Interpretation gehört immer in den klinischen Kontext.

Gruppe / KategorieMessbereichAnmerkungQuelle
Physiologischer Normbereich (Erwachsene)16 – 45 % (in den meisten Leitlinien Zielwert > 20 %)Werte unter 20 % weisen auf eine unzureichende Eiseneisenversorgung des Knochenmarks hin.AWMF S3-Leitlinie Eisenmangelanämie / DGHO
Absoluter oder funktioneller Eisenmangel< 16 – 20 %Spricht für eine verminderte Verfügbarkeit von Eisen für die Erythropoese.DGHO Leitlinie / KDIGO
Verdacht auf Hämochromatose (Eisenüberladung)> 45 – 50 % (wiederholt nüchtern)Erfordert weiterführende genetische Abklärung des HFE-Gens.EASL Guidelines on Haemochromatosis

Grenzen des Parameters

  • •Da das freie Serumeisen im Zähler der Berechnungsformel steht, unterliegt die Transferrinsättigung denselben ausgeprägten zirkadianen Schwankungen und sollte morgens nüchtern bestimmt werden.
  • •Östrogene (orale Kontrazeptiva, Schwangerschaft) steigern die hepatische Transferrinsynthese, was die TfS bei unverändertem Serumeisen rechnerisch senken kann.

Wichtige Einflussfaktoren & Störgrößen

Folgende physiologische und pathologische Faktoren können den Messwert beeinflussen:

Tageszeit der Blutentnahme
Effekt: Morgens höchste Werte, abends bis zu 50 % niedriger
Klinische Relevanz: Blutabnahme sollte standardisiert morgens nüchtern erfolgen.
Pille / Schwangerschaft
Effekt: Erhöhtes Transferrin, rechnerisch niedrigere TfS
Klinische Relevanz: Klinischer Kontext muss bei der Befundung berücksichtigt werden.
Chronische Entzündung / Hepcidin-Ausschüttung
Effekt: Eisen im Makrophagenspeicher gefangen, niedrige TfS trotz normalem Ferritin
Klinische Relevanz: Zeigt funktionellen Eisenmangel (Iron-Restricted Erythropoiesis).

Sinnvolle Kombination mit weiteren Markern

Serum-Ferritin
Zusammen mit Ferritin ermöglicht die TfS die klare Unterscheidung zwischen reinem Speichermangel (Ferritin niedrig, TfS normal/niedrig) und funktionellem Mangel (Ferritin normal/hoch, TfS < 20 %).
C-reaktives Protein (CRP)
Beurteilung entzündlicher Einflüsse auf den Hepcidinhaushalt.

Wann ist eine ärztliche Rücksprache ratsam?

  • •Transferrinsättigung unter 20 % bei bestehenden Erschöpfungssymptomen.
  • •Wiederholte Werte über 45 % zum Ausschluss einer erblichen Hämochromatose.
  • •Bei chronischen Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz, chronische Nierenerkrankung) zur Festlegung einer gezielten Eisentherapie.

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Wissenschaftliche Quellen & Leitlinien

  1. AWMF S3-Leitlinie 025/021: Diagnostik und Therapie der Eisenmangelanämie (DGHO / DGIM 2022).[Quelle]
  2. European Association for the Study of the Liver (EASL): Clinical Practice Guidelines on haemochromatosis.[Quelle]
  3. Thomas, L.: Labor und Diagnose (9. Auflage, 2020).[Quelle]